CreaSolv® Demonstrationsanlage für Kunststoff Verpackungsabfälle – Lober (2018)

2021.09.12 Circular Packaging VerbundabfallZum Schutz empfindlicher und hochwertiger Produkte aus dem Lebensmittel- und Konsumgüterbereich müssen Kunststoffverpackungen heute hohe Anforderungen erfüllen und bestehen zunehmend aus komplexen Verpackungssystemen wie z.B. mehrlagige Kunststofffolien. Diese häufig eingesetzten Mehrschichtlaminate aus Polyethylen/Polyamid (PE/PA) oder Polypropylen/Polyethylenterephthalat (PP/PET) sind nach dem heutigen Stand der Technik „nicht recyclingfähig“, da die bestehenden Aufbereitungsanlagen nur Verpackungsabfälle aus Kunststoff-Monomaterialen verarbeiten können. Da für Mehrschichtlaminate aus Haushaltsabfällen somit nur die Verbrennung bleibt und so die von 36% auf 63% ansteigenden Recyclingquoten für Kunststoffverpackungen bis 2022 nicht zu schaffen sind, bietet hier der CreaSolv® Prozeß einen Lösungsansatz im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 3.12 Millionen Euro geförderten Projekt Circular Packaging1,11).

Das Projekt Circular Packaging läuft vom 01. November 2018 bis zum 31. Oktober 2021 und soll nun die Wirtschaftlichkeit und das Potenzial dieser Technologie in Deutschland in 3 Projektphasen aufzeigen:

  1. Phase - Aufbau einer komplett verschalteten Pilotanlage mit einer Kapazität von 5m3 Kunststoffabfall pro Tag bei der Firma Lober GmbH & Co. Abfallentsorgungs KG.
    Ziel ist die hochwertige stoffliche Verwertung von Polyolefinen (PE und PP) aus Abfallfraktionen mit einem hohen Anteil an Mehrschichtverpackungslaminaten, die heute energetisch verwertet werden.
    Test der Anlage im Dauerbetrieb, um die Wirtschaftlichkeit und Rohstoffeffizienz des Prozesses zu belegen.
  2. Phase – Upscaling um den Faktor 15 zu einer industriell einsetzbaren Demonstrationsanlage.
  3. Phase – Einsatz der Anlage im Demonstrationsbetrieb

Die Projektkoordination übernimmt die Firma Lober, die damit die 1. CreaSolv® Pilotanlage in Deutschland für Verpackungs-Verbundfolien betreiben wird.

Fraunhofer IVV ermöglicht den Ausbau in den technischen Maßstab und die Firma LÖMI GmbH / GAW Group liefert Anlagen für lösemittelbasierte Fertigungsprozesse und hat Prozessaggregate für den CreaSolv® Prozess entwickelt, die bereits für die Pilotanlage für Beutelverpackungen (Sachets) von Unilever eingesetzt werden.   

2022.07.08 Circular Packaging Pilotanlage kompSeptember 2021 – Die Pilotanlage ist seit Herbst 2020 in Betrieb und aktuelle Produktmuster von PE-LD und PP Rezyklaten erreichen Qualitäten, die den Einsatz in neuen Verpackungsfolien mit einem hohen Rezyklat-Anteil erlauben. Je nach Folienaufbau und Anwendungsgebiet ist ein PCR-Anteil von über 50% durchaus erreichbar. Die Musterproduktionen zeigen, dass der Reifegrad der CreaSolv® Technologie (TRL 5-6) industrielle Anforderungen erfüllen kann und nur noch letzte Detailfragen für einen kommerziellen Scale-up zu lösen sind.10)

Auf Basis aktueller Kalkulationen ist ein wirtschaftlicher Anlagenbetrieb in Deutschland und Mittel-Europa ab Kapazitäten von rund 8.000 Jahrestonnen möglich. Als Input können zum Beispiel Abfallfraktionen 323 oder 352 des Dualen Systems in Deutschland verwendet werden.

Die 1. Projektephase von Circular Packaging ist somit abgeschlossen, die Anlage wird wieder abgebaut und die Firma Lober sucht jetzt nach einem neuen Grundstück für eine größere kommerzielle Anlage und bemüht sich um eine Anschluß-Förderung für den nächsten Schritt.

2022.11.05 CreaSolv Process Alliance Prize FinalistMai 2022 - GAW / LÖMI hat sich für den ALLIANCE PRIZE 2022 in der Kategorie "Circular Solutions for Flexibles" beworben, da flexible Kunststoffverpackungen als einer der Hauptverursacher der globalen Kunststoffverschmutzung gelten und nach wie vor zu den am schwierigsten zu recycelnden Materialarten gehören.

2022.11.05 CreaSolv Process Alliance Prize VideoNovember 2022 - Der CreaSolv® Prozess "Simplify Your Waste - An Ingenious Solution for A Multilayered Problem" wurde vom Komitee der Alliance to End Plastic Waste aus 600 Anmeldungen ausgewählt und ist unter den Top-5-Finalisten nominiert. –> Simplify your Waste Video

Am 29. November 2022 belegte der CreaSolv® Prozess bei der Preisverleihung an der New Yorker Börse gemeinsam mit 3 weiteren Finalisten den "2.Platz". Dieser Erfolg war nur durch das hervorragende Zusammenspiel von Kooperationspartnern mit unterschiedlichen Kernkompetenzen möglich: GAW/LÖMI, CreaCycle, Fraunhofer IVV und Lober. 4 der 5 Finalisten waren Physikalische Recycling-Verfahren.

 

 

Kritische Betrachtung

Ab 1. Januar 2018 legte China eine strenge Verunreinigungsgrenze für Plastikabfall fest, was auch als Importstopp interpretiert wurde, da der importierte 2015 Plastic waste produced and mismanagedKunststoffabfall teilweise in einem schlechten Zustand war und mancherorts zu Umweltverschmutzung und Gesundheitsproblemen beitrug. China war ein wichtiger Müllmarkt für Deutschland und 2016 wurden mit 563.000 Tonnen „Abfälle, Schnitzel und Bruch von Kunststoff“ fast 1/10 des gesammelten Kunststoffabfalls dorthin exportiert. Während die Exporte nach China in Erwartung des Importstopps bereits in 2017 deutlich zurückgingen, stiegen dafür die deutschen Exporte von Plastikabfall nach Indien, Malaysia und Indonesien an. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) wurden in 2017 42.000 und in den ersten 10 Monaten in 2018 57.000 Tonnen Plastikabfall nach Indien verschifft. Nach Indonesien stieg das Volumen von 600 Tonnen in 2017 auf 49.500 Tonnen in 2018. "Wenn ein Markt zumacht, sucht die Branche sich nun mal andere Märkte", heißt es in Branchenkreisen4). UK exportiert mit zirka 60.000 Tonnen sogar mehr als Deutschland nach Indonesien5).

Dem kritischen Betrachter stellt sich hier sofort die Frage, inwieweit die neue Plastik-Strategie6) der Europäischen Kommission und die dringende Forderung an2017.12.28 Indonesia Marine pollution YT die Industrie und Konsumartikelhersteller nach einer Kreislauf Wirtschaft, sinnvoll mit steigenden deutschen (und europäischen) Kunststoffabfallexporten in Länder vereinbar ist, die als hauptverantwortlich für den Kunststoffabfalleintrag in die Ozeane gemacht werden und riesige Anstrengungen und Investments vor sich haben, um regionale Sammel- und Recycling-Strukturen aufzubauen9).
Wenn man sich dann noch klar macht, daß es aktuell nur für 40% unseres Haushalt-Kunststoffabfalls wirksame Recycling-Verfahren gibt7) und das ein Teil unseres Kunststoff-Verpackungsabfalls bereits mit verbotenen Flammschutzadditiven verunreinigt ist8), sollte man eigentlich realisieren, wie schlimm die Situation wirklich ist.  

 

Literatur

  1. Circular Packaging Flyer vom 30.10.2018 - Link
  2. CreaSolv® Pilotanlage in Indonesien - Recycling von Polyethylen-Beutelverpackungen – Unilever (2015) - Link
  3. Technology Readiness Level – Wikipedia – Link DE  Link EN 
  4. NTV vom 29.12.2018 – “Entsorger finden andere Märkte – Deutscher Müllexport nach China bricht ein“ – Link
  5. BBC „Recyclling: Where is the plastic waste mountain?“ published 01 January 2019 – Link
  6. European strategy for plastics – Link
  7. Journal of Industrial Ecology – Marie Kampmann Eriksel et al. “Quality Assessmant and Circularity Potential of Recovery systems for Household Plastic Waste” published 02 November 2018 – Link
  8. Chemosphere Volume 199, May 2018, Pages 612-616: “Hexabromocyclododecane in polystyrene packaging: A downside of recycling?” by Mohamed Abou-Elwafa Abdallah et al. – Link
  9. TRT World “Marine Pollution in Indonesia” published on YouTube on 28.12.2017 – Link
  10. Kunststoffe 1/2022 "Recycling von Verbundfolien" - Link
  11. Circular Packaging r-plus-impuls - Link
nach oben