Spiegel TV vom 9. Februar 2007

Der CreaSolv® Prozeß 

Spiegel TV sendete einen ausführlichen Beitrag über das heutige Elektroschrott-Recycling gesendet, indem auch der CreaSolv® Prozeß beschrieben wurde.

 

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Elektronikschrott Recycling mit dem CreaSolv® Prozeß

 

spiegel02.jpgGuido Selling (Elektro Cycling in Goslar): Das hier ist unser wertvollstes Produkt. Das ist ein Kupferkonzentrat. Je nach der Gerätezusammensetzung, die wir vorne aufgeben, erhalten wir relativ hohes Kupferkonzentrat, daß wir so direkt an die Buntmetallverhüttung abgeben können.
Sprecher: Die Verkaufserlöse decken die Kosten der Aufarbeitung nur zum Teil. Die Differenz begleichen die Gerätehersteller. Dennoch sind die Präferenzen der Recycler eindeutig!
spiegel03.jpgThomas Henze (Elektro Cycling in Goslar): Die Geräte mit hohem Metallanteil sind uns natürlich am liebsten, weil sie gute Erlöse bringen. Leider geht der Trend ja heute mehr und mehr in den Kunststoffsektor, so dass man da eben auch Wert darauf legen muß, Kunststoffe in der Zukunft so zu recyceln, daß man sie mit Erlöse weiterverkaufen kann, um den Kunden gute Angebote machen zu können. Wir arbeiten aber auch in der Zukunft daran, auch diese Kunststoffe durch eventuelle Weiterentwicklungen so aufzuarbeiten, daß sie sich auch mit Erlös vermarkten lassen.
spiegel04.jpgSprecher: Sortenreinheit ist bei diesen Kunststoffen eher selten. spiegel05.jpgDas Fraunhofer Institut IVV in Freisingen forscht an zukünftigen Recyclingmethoden für die bei der Aufbereitung übriggebliebenen Kunststoffreste. In Deutschland fallen davon jährlich geschätzte 200.000 Tonnen an.  Deren Entsorgung kostet bislang Geld.  Ein einfaches Aufschmelzen der bunten Mischung  ist technisch nicht möglich, denn dabei könnte es zu gefährlichen toxischen Reaktionen kommen.
spiegel06.jpgDr. Mäurer (Fraunhofer Institut IVV): Also die Qualität hier, auch wenn die schon ganz schön aussehen mag; da versteckt sich so viel Dreck drin. Schauen Sie hier: Das ist ein Schaumstoffteilchen. Das ist tödlich für die Qualität von einem Recyclat. Damit kann kein Mensch etwas anfangen. Das kann man am Markt überhaupt nicht absetzen.
Sprecher: Um das Problem zu lösen, schlägt das Fraunhofer Institut internationale Wege ein. Eine österreichische Forschungseinrichtung (KERP Kompetenzzentrum Elektronik & Umwelt) ist bereits mit im Boot. Denn die neue Elektroschrottgesetzgebung betrifft alle Europäer.
spiegel07.jpgThomas Leitner (Kerp): Recycling von solchen Elektroschrottfraktionen ist schwierig. Es gibt daher nicht wirklich gute Technologien, die dafür derzeit eingesetzt werden können. Natürlich thermische Verwertung ist gängig. Deponierung ist jetzt in Europa nicht mehr zulässig für solche Materialien. Und das ist immer unser Ansatzpunkt.dass wir sagen: „Hier muß für die Kreislaufwirtschaft etwas getan werden! Hier müssen wir mit neuen Recycling Technologien etwas tun!“
Sprecher: Zwei unterschiedliche Kunststoffe dienen der Demonstration des neu entwickelten Verfahrens. Der Clou ist die Lösemittelformulierung.
Andreas Mäurer:Unser Verfahren hat eine 99 % Reinigungsleistung für diese unerwünschten Störstoffe. Wir wollen ganz geziehlt nur den wertvollen Kunststoff aus diesem Gemisch hier zurückgewinnen (recyceln) und dafür brauchen wir eine sehr selektives Lösemittelformulierung, um aus diesem komplexen Gemisch nur den Wertstoff herauszuextrahieren.
spiegel08.jpgSprecher: Das Mittel ist kennzeichnungsfrei, also unbedenklich in der Anwendung. In der Praxis spart man das Geld für die sonst bei chemischer Trennung üblichen Schutzmaßnahmen. Das Plastik aus den buntgemischten Elektroabfällen wird als graue Masse aufgelöst. Daraus läßt sich später der gewünschte Wertstoff ausfällen.
Thomas Leitner: Wir schätzen, daß diese Technologie in Europa das Potenzial hat, daß man zwischen 10 und 20 solcher Anlagen betreiben kann und auch auslasten kann - was wichtig ist – und das läßt auch erahnen, daß es von diesem Material sehr viel gibt.
spiegel09.jpgSprecher: Die Entwickler der Wunderlösung, zwei visionäre Unternehmer aus dem Rheinland. Das Verfahren wurde bereits international ausgezeichnet. Doch die Industrie zögert noch. In Deutschland fehlen finanzkräftige Investoren, die sich an die konkrete Umsetzung heranwagen.

spiegel10.jpgGerald Altnau (CreaCycle GmbH): Es ist eine Tatsache, daß es dann für solche Verfahren natürlich schwierig ist, in einen Markt hineinzukommen, wenn man Geld in die Hand nehmen muß, um es (den Kunststoff) hier mit sehr hochwertigen Arbeitsplätzen zu recyclen, wenn man es einfach in einen Container für 50 €-Cent mehr reinpacken kann und es geht dann dahin, wo es einem jemand händeringend abnimmt. Was der dann damit macht, darüber machen wir uns wahrscheinlich keine Gedanken, weil jeder sagt: Ich weiß es nicht“.
Sprecher: Für die Umwelt eine zweifelhafte Denkweise. Doch oft ist alles eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Im Zuge steigender Rohölpreise könnten sich die Berge an Geräteresten eines Tages als wahre Ölquelle erweisen. Dabei könnte das echte Recycling verschmutzter Kunststoffe schon jetzt Geld bringen.
spiegel11.jpgAndreas Mäurer: Hier sind wir im unteren Bereich des Reaktors. Das hier ist der Bodenbereich und der Auslaß vom Reaktor. Hier kommt dann das Material heraus und wird dann in diesem Faß aufgefangen. Sie sehen, das ist jetzt schon abgekühlt auf Raumtemperatur. Da ist es dann ein bisschen zäher. Wenn es dann bei erhöhter Temperatur aus dem Reaktor herauskommt, dann ist es ungefähr honigartig, sirupartig. Dann ist es ungefähr diese Konsistenz hier. In der realen Anlage wird dann hier drunter direkt der Extruder sein und das Material wird verarbeitet.
Sprecher: Im versuchsweise aufgebautem Extruder demonstriert Andreas Mäurer wie die anschließende Herstellung hochwertiger Kunststoffe in der Realität aussehen kann. Hier entstehen Granulate, die nachweislich von allen unerwünschten Schadstoffen befreit sind.
spiegel12.jpgAndreas Mäurer: Hier sehen wir dann auch gleich erste Testmuster von den (wiedergewonnen) Materialien. Das ist genau aus dem Material hergestellt, was wir jetzt im „Big-Bag“ angeliefert bekommen haben und dann in der Anlage aufgearbeitet haben. Hier kann man sich schon ganz gut vorstellen, dass neue Notebookgehäuse darausgemacht werden und das ist auch unser Einsatzziel. Da wollen wir hin am Markt!

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