InnoNet News, Nr. 18, Ausgabe Juni 2006 (Seite 2)

Erfolg durch Kostenkontrolle
Umweltfreundliches Recyclingverfahren ermöglicht die Rückgewinnung von Styropor®

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Expandiertes Polystyrol (EPS), besser bekannt unter dem Produktnamen Styropor®, ist wegen seiner guten Isoliereigenschaften ein beliebter Kunststoff zur Wärmedämmung und als Schutzmaterial für Verpackungen. Allein in Deutschland werden jährlich ca. 220.000 Tonnen EPS verarbeitet. Der größte Teil davon (75%) wird in der Baubranche zur Wärmeisolierung eingesetzt.

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EPS-Recyclinganlage für den CreaSolv®-Prozess im Technikum des Fraunhofer IVV
Problematisch ist jedoch der Umgang mit EPS-Abfällen. Für eine Wiederverwendung als wiederaufschäumbares Polystyrol (PS) muss das Material vollständig gereinigt und von zugesetzten Stoffen befreit werden, zum Beispiel von bromierten Flammschutzadditiven, die für die Brandsicherheit bei der Wärmedämmung von Gebäuden nötig sind. Bisherige Aufbereitungsverfahren reinigen das Material nur mangelhaft, so dass nur eine geringe Wertschöpfung
erzielt wird. Darüber hinaus verursacht das Material aufgrund seines hohen spezifischen Volumens enorme Transportkosten. In einem Jumbo-LKW mit 110 m3 Ladevolumen können nur 600-700 kg Styropor® transportiert werden.

Im Projekt Recycling von EPS-Abfall zu re-expandierbarem Polystyrol (EPS-Loop) wurde im Programm InnoNet ein Recyclingverfahren entwickelt, mit dem aus verschmutztem EPS-Abfall ein wiederaufschäumbares Polystyrol hergestellt werden kann. Außerdem ist es gelungen, durch Auflösung des EPS-Abfalls in einer Flüssigkeit, eine deutliche Volumenreduktion des Materials zu erzielen. Da die zur Lösung des EPS benutzte Flüssigkeit umweltfreundlich ist, können die EPS-Abfälle mit einem normalen Tanklastzug eingesammelt und in eine Recyclinganlage überführt werden. Somit können die hohen Transportkosten deutlich reduziert werden.

Bereits vor Projektstart hat das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV (Projektkoordinator) zusammen mit der CreaCycle GmbH mit dem CreaSolv®-Verfahren die Grundlage zur effektiven Wiederaufbereitung von EPS-Abfällen entwickelt. Im Recyclingprozess können aus der EPS-Lösung zunächst die ungelösten Fremdstoffe
wie Metall, Holz, Fremdpolymere, organischer Abfall oder Staub durch Filtration, Siebung, Sedimentation oder Zentrifugation getrennt werden. Anschließend wird durch Zugabe eines Fällmittels reines Polystyrol in Partikelform gewonnen. Dr. Andreas Mäurer vom Fraunhofer IVV sieht die Innovation vor allem in der Qualität des zurück gewonnenen Polystyrols: „Mit diesem Verfahren ist es erstmalig gelungen, sauberes recyceltes Granulat zu gewinnen,
aus dem erneut Styropor® aufgeschäumt werden kann. Bereits im Farbvergleich ist der deutliche Qualitätsunterschied
des gewonnenen Granulats zu den Recyclaten bisheriger Verfahren zu erkennen.“

Neben dem großen Engagement der beteiligten Partner hat eine gute finanzielle Strukturierung im Hinblick auf die
spätere Verwertung der Projektergebnisse wesentlich zum Erfolg des Projektes beigetragen. Von der InnoNet-Jury
sehr gelobt wurde der mit der Ideenskizze eingereichte Verwertungsplan, der bereits eine effiziente Kostenrechnung
enthielt, die das Projekt während der gesamten Laufzeit begleitet hat. In Form einer Excel-Tabelle wurden alle
anfallenden Kosten für die Einrichtung einer EPS-Recyclinganlage von Anfang an geplant: Personal- und Energiekosten,
Betriebsmittel, Investitionen für die benötigte Halle und natürlich die Kosten für die Anlage selbst. Die einzelnen
Positionen wurden hierbei genau dargestellt, beispielsweise wurden die Personalkosten exakt herunter gebrochen
auf die erforderlichen Mitarbeiter, deren Gehälter sowie die entsprechenden Lohnnebenkosten. In unterschiedlichen Szenarien, die im Laufe des Projektes stetig angepasst bzw. erweitert wurden, flossen in diese Kostenrechnung die Möglichkeiten der Anlage und Diskussionsbeiträge der Projektpartner mit ein. Aus heutiger Sicht sind selbst mit einer kleinen Anlage mit einer Jahreskapazität von 4000 Tonnen die Erträge als so attraktiv einzustufen, dass bei maximaler
Auslastung der Ertrag nach 2 Jahren das Investment für eine neue Anlage deckt.

Über den Forschungserfolg hinaus hat das Projekt EPS-Loop damit gezeigt, dass sich eine detaillierte finanzielle Planung auszahlt. Auch wenn bestimmte Entwicklungen im Projekt zunächst nicht absehbar sind, kann eine gute Kostenaufstellung, die unterschiedliche Varianten und Größenordnungen enthält, Planungssicherheit und einen verlässlichen Organisationsrahmen bieten. Dies auch wenn einige Kosten anfangs nur geschätzt werden können.

Weitere Informationen gibt es beim: Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV
Dr. Andreas Mäurer
Kunststoff-Recycling
Giggenhauser Straße 35, 85354 Freising
Tel.: 08161 491-330, Fax: 08161 491-777
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www.ivv.fraunhofer.de

Styropor® ist ein eingetragenes Warenzeichen von BASF.
CreaSolv® ist ein eingetragenes Warenzeichen der CreaCycle GmbH.
 

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