Biokunststoffabfälle - SustRecPLA (2014)

Seit Jahren steigt die Anzahl und Vielfalt der Produkte aus biobasierten Kunststoffen insbesondere im Bereich der Verpackungen kontinuierlich an. Polylactid (PLA) ist derzeit der wichtigste Vertreter auf dem Verpackungsmarkt und da viele2018 DUH Bioplastik Produkte 3 Konzepte PLA als Verbundwerkstoff oder im Blend einsetzen, ist  das Recycling von PLA-haltigen Abfällen mit den konventionellen Verfahren (z.B. Regranulierung) schwierig, wenn nicht unmöglich.

Der Hinweis deutscher Verbraucherverbände „ Da Biokunststoffe derzeit nicht stofflich wiederverwertet werden können und das Recycling anderer Kunststoffe behindern, gehören sie nicht in den gelben Sack oder die Wertstofftonne. Das Umweltbundesamt empfiehlt derzeit die Entsorgung über den Restmüll. Dann können sie zumindest thermisch verwertet werden3)“ beschreibt das Dilemma sehr deutlich. Und obwohl der Begriff „Bio-„ generell positiv besetzt ist, äußerte die Entsorgungsbranche immer wieder Bedenken, dass PLA das etablierte Kunststoffrecycling stören könnte .

Daher war das Ziel des im November 2014 gestarteten Forschungsprojektes „SustRecPLA“, gefördert von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die Gewinnung reiner und hochwertiger PLA-Rezyklate aus post-consumer Abfällen.
2017 SustRecPLA DIm Rahmen dieses Projektes mit 8 Verbundpartnern einschließlich dem Fraunhofer IVV wurde zum einen der lösemittelbasierte CreaSolv® Prozess für ausgewählte PLA Abfälle1) optimiert und zum anderen hinsichtlich Rezyklat-Qualität und Wirtschaftlichkeit mit dem mechanischen Recycling (Recompoundierung) verglichen.
Das untersuchte PLA stammte aus Industrie- und Verbraucher-Abfällen und mit dem CreaSolv® Verfahren konnten gereinigte Rezyklate produziert werden, die hinsichtlich ihrer Verarbeitung während der Spritzgussversuche keine signifikanten Unterschiede zu Neuware zeigten2). Ein wesentlicher Vorteil gegenüber konventionellem werkstofflichen Recycling besteht darin, daß zirka 50% höhere Ausbeuten erzielt werden.

Die Verbundpartner konnten mit ihren umfassenden Arbeiten zeigen, dass es verschiedene Optionen für ein PLA-Recycling gibt. Die Forschungsergebnisse liefern somit eine gute Grundlage für die Einbindung von PLA-Abfällen in die etablierten Recyclingströme und kommen damit zum richtigen Zeitpunkt, denn am 1. Januar 2019 tritt die Neuregelung des Verpackungsgesetzes in Kraft.

Welchen Vorteil bieten Bio-Kunststoffe eigentlich?

Nach gegenwärtigem Sprachgebrauch steht die Vorsilbe „bio“ für zwei Eigenschaften: für „biobasiert“ und für „biologisch abbaubar“. Biobasiert nennen sich Erzeugnisse, die teilweise oder vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen stammen. Diese Erzeugnisse können sowohl biologisch abbaubar als auch nicht abbaubar sein. Nach DIN EN 13432 bedeutet Bioabbaubarkeit, dass sich ein Material nach einer festgeschriebenen Zeit unter definierten Temperatur-, Sauerstoff- und Feuchtebedingungen in der Anwesenheit von Mikroorganismen oder Pilzen zu mehr als 90 Prozent zu Wasser, Kohlendioxid (CO2) und Biomasse abgebaut haben muss4).
2018 ZAKB Bergstraße Bioabfall mit Störstoffen 1Für biobasierte Kunststoffe braucht man also Anbauflächen, die bei einer steigenden Weltbevölkerung und deren Nahrungsbedarf knapper werden und biologisch abbaubare Kunststoffe verrotten zu Wasser und dem Treibhausgas CO2, das zur Erderwärmung beiträgt. Es entsteht also genau dasselbe wie bei einer Verbrennung. Selbst das deutsche Umweltbundesamt spricht darum von einer "Mogelpackung" und empfiehlt zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die Müllverbrennung, da hier wenigstens noch eine energetische Verwertung stattfindet5,6). Auf Grund von Problemen bei der Kompostierung lehnen Kommunen in Deutschland die Entsorgung von Bioplastik über den Bioabfall in der Regel ab7).

Fazit

Bio-Kunststoffe klingen „nachhaltig“, werden aber von Behörden und Umweltverbänden als Problem gesehen. Mit dem CreaSolv® Prozeß kann man allerdings auch diese Kunststoffe, genauso wie andere Thermoplasten recyceln, so daß sie wiederverwendet werden können und als Ressource in einer Kreislauf-Wirtschaft nicht verloren gehen.

 

 

Literatur

  1. Kunststoffe 7/2013 – Tanja Siebert, Martin Schlummer, Andreas Mäurer „Bioverpackungen wiederverwerten“ in Kunststoffe 7/2013 Seite 79 – 82 - Link
  2. Ergebnispapier „PLA-Abfälle im Abfallstrom“ - FNR Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht am 12. Oktober 2017 - Link
  3. Verbraucher Service Bayern „Biokunststoffe nicht automatisch gut“ vom 23.06.2016 – Link
  4. Umweltbundesamt  im August 2009 „Biologisch abbaubare Kunststoff“ – Link
  5. Umweltbundesamt am 8.Juni 2017 „Tüten aus Bioplastik sind keine Alternative“ Homepage letzter Check 31 Oktober 2018 – Link
  6. Deutsche Umwelthilfe (DUH) „Bioplastik – Mythen und Fakten“ Stand 20.02.2018 – Link
  7. BVSE - Fachverband Kunststoffrecycling "Bioplastik bereitet in Kompostwerken große Probleme" vom 21. September 2018 - Link
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