CreaSolv® Demonstrationsanlage für Kunststoff Verpackungsabfälle – Lober (2018)

Zum Schutz empfindlicher und hochwertiger Produkte aus dem Lebensmittel- und Konsumgüterbereich2018.11. Pressefoto Circular Packaging IVV müssen Kunststoffverpackungen heute hohe Anforderungen erfüllen und bestehen zunehmend aus komplexen Verpackungssystemen wie z.B. mehrlagige Kunststofffolien. Diese häufig eingesetzten Mehrschichtlaminate aus Polyethylen/Polyamid (PE/PA) oder Polypropylen/Polyethylenterephthalat (PP/PET) sind nach dem heutigen Stand der Technik „nicht recyclingfähig“, da die bestehenden Aufbereitungsanlagen nur Verpackungsabfälle aus Kunststoff-Monomaterialen verarbeiten können. Da für Mehrschichtlaminate aus Haushaltsabfällen somit nur die Verbrennung bleibt und so die von 36% auf 63% ansteigenden Recyclingquoten für Kunststoffverpackungen bis 2022 nicht zu schaffen sind, bietet hier der CreaSolv® Prozeß im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 3.12 Millionen Euro geförderten Projekt Circular Packaging1) einen Lösungsansatz.

Der CreaSolv® Prozeß wurde unter anderem gerade für die Verbundtrennung von Mehrschichtlaminaten entwickelt. Aufgrund der bisherigen Fokussierung auf die Verbrennung bestand jedoch weder Bedarf noch Interesse, ein solches Verfahren in Deutschland oder in der EU zu kommerzialisieren, zumal man mit höheren Investitionen als bei der heute üblichen „Regranulierung“ (zerkleinern-extrudieren-granulieren) für einzelne Polymere rechnen muß. Gerade in Deutschland hat man durch die bis 2017 geltende „Heizwert-Klausel“, die die Verbrennung dem Recyceln gleichsetzte und die EU-Abfallhierarchie aushebelte, die falschen Anreize gesetzt; und zusätzlich gab es ja noch den Export nach China.

Die Firma Unilever dagegen hatte sich bereits sehr früh für den CreaSolv® Prozeß interessiert, da der Umgang mit Kunststoffabfällen, wie er in Industrieländern praktiziert wird, sich in Regionen wie Asien nicht als zielführend und erfolgversprechend herausgestellt hat. Da der Kunststoffabfalleintrag in die Ozeane in Asien am größten ist, besteht Handlungsbedarf, wenn man es mit der Kreislauf Wirtschaft ernst meint.
Nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit mit Fraunhofer IVV und CreaCycle wurde im November 2018 die erste CreaSolv® Pilotanlage zum Recyceln von Polyethylen Beutelverpackungen2) in Indonesien in Betrieb genommen. Diese Anlage hat den Level TLR 5 (Technology Readiness Level3)) erreicht und es liegt eine solide Datenlage zur Qualität, der aus Mehrschichtverpackungen erstellten Polyolefin-Rezyklate vor.

Das Projekt Circular Packaging läuft vom 01. November 2018 bis zum 31. Oktober 2021 und soll nun die Wirtschaftlichkeit und das Potenzial dieser Technologie in Deutschland in 3 Projektphasen aufzeigen:

  1. Phase - Aufbau einer komplett verschalteten Pilotanlage mit einer Kapazität von 5m3 Kunststoffabfall pro Tag bei der FirmaLober GmbH & Co. Abfallentsorgungs KG.
    Ziel ist die hochwertige stoffliche Verwertung von Polyolefinen (PE und PP) aus Abfallfraktionen mit einem hohen Anteil an Mehrschichtverpackungslaminaten, die heute energetisch verwertet werden.
    Test der Anlage im Dauerbetrieb, um die Wirtschaftlichkeit und Rohstoffeffizienz des Prozesses zu belegen.
  2. Phase – Upscaling um den Faktor 15 zu einer industriell einsetzbaren Demonstrationsanlage.
  3. Phase – Einsatz der Anlage im Demonstrationsbetrieb

Die Projektkoordination übernimmt die Firma Lober, die damit die 1. CreaSolv® Anlage in Deutschland betreiben wird. Fraunhofer IVV hat den Ausbau in den technischen Maßstab ermöglicht und die Firma LÖMI GmbH (bereits Projektpartner im Poly-Ressource Projekt) liefert Anlagen für lösemittelbasierte Fertigungsprozesse und hat Prozessaggregate für den CreaSolv® Prozess entwickelt.    

Kritische Betrachtung
Ab 1. Januar 2018 legte China eine strenge Verunreinigungsgrenze für Plastikabfall fest, was auch als Importstopp interpretiert wurde, da der importierte 2015 Plastic waste produced and mismanagedKunststoffabfall teilweise in einem schlechten Zustand war und mancherorts zu Umweltverschmutzung und Gesundheitsproblemen beitrug. China war ein wichtiger Müllmarkt für Deutschland und 2016 wurden mit 563.000 Tonnen „Abfälle, Schnitzel und Bruch von Kunststoff“ fast 1/10 des gesammelten Kunststoffabfalls dorthin exportiert. Während die Exporte nach China in Erwartung des Importstopps bereits in 2017 deutlich zurückgingen, stiegen dafür die deutschen Exporte von Plastikabfall nach Indien, Malaysia und Indonesien an. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) wurden in 2017 42.000 und in den ersten 10 Monaten in 2018 57.000 Tonnen Plastikabfall nach Indien verschifft. Nach Indonesien stieg das Volumen von 600 Tonnen in 2017 auf 49.500 Tonnen in 2018. "Wenn ein Markt zumacht, sucht die Branche sich nun mal andere Märkte", heißt es in Branchenkreisen4). UK exportiert mit zirka 60.000 Tonnen sogar mehr als Deutschland nach Indonesien5).

Dem kritischen Betrachter stellt sich hier sofort die Frage, inwieweit die neue Plastik-Strategie6) der Europäischen Kommission und die dringende Forderung an2017.12.28 Indonesia Marine pollution YT die Industrie und Konsumartikelhersteller nach einer Kreislauf Wirtschaft, sinnvoll mit steigenden deutschen (und europäischen) Kunststoffabfallexporten in Länder vereinbar ist, die als hauptverantwortlich für den Kunststoffabfalleintrag in die Ozeane gemacht werden und riesige Anstrengungen und Investments vor sich haben, um regionale Sammel- und Recycling-Strukturen aufzubauen9).
Wenn man sich dann noch klar macht, daß es aktuell nur für 40% unseres Haushalt-Kunststoffabfalls wirksame Recycling-Verfahren gibt7) und das ein Teil unseres Kunststoff-Verpackungsabfalls bereits mit verbotenen Flammschutzadditiven verunreinigt ist8), sollte man eigentlich realisieren, wie schlimm die Situation wirklich ist.  

 

Literatur

  1. Circular Packaging Flyer vom 30.10.2018 - Link
  2. CreaSolv® Pilotanlage in Indonesien - Recycling von Polyethylen-Beutelverpackungen – Unilever (2015) - Link
  3. Technology Readiness Level – Wikipedia – Link DE  Link EN 
  4. NTV vom 29.12.2018 – “Entsorger finden andere Märkte – Deutscher Müllexport nach China bricht ein“ – Link
  5. BBC „Recyclling: Where is the plastic waste mountain?“ published 01 January 2019 – Link
  6. European strategy for plastics – Link
  7. Journal of Industrial Ecology – Marie Kampmann Eriksel et al. “Quality Assessmant and Circularity Potential of Recovery systems for Household Plastic Waste” published 02 November 2018 – Link
  8. Chemosphere Volume 199, May 2018, Pages 612-616: “Hexabromocyclododecane in polystyrene packaging: A downside of recycling?” by Mohamed Abou-Elwafa Abdallah et al. – Link
  9. TRT World “Marine Pollution in Indonesia” published on YouTube on 28.12.2017 – Link
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