2. Endliche Ressourcen

Alle Ressourcen auf dieser Erde sind endlich und Großkonzerne haben die Kontrolle über Energie, Wasser und Abfall.2018.10 Crude oil Die stattfindende Konzentration in diesen Märkten wird angetrieben von den zu erwartenden sicheren Profitmargen auf Grund der Abhängigkeit von Ländern, ihrer Bürger und Regierungen.
Der Ölpreis ist kein Maß für den Wert dieser endlichen Ressource sondern ein politisches Instrument.
Kunststoff-Abfall erfüllt in der EU primär die Aufgabe als Ersatz-Brennstoff und bereits existierende Müllverbrennungs-Überkapazitäten und deren weiterer Ausbau reduzieren die verfügbaren Mengen für Recycler.
Ohne verbindliche Kunststoff-Recyclingquoten wird es in diesem Sektor keinen Fortschritt geben, sondern es gelten weiterhin die Regeln der „Tragik der Allmende“.

Der Wert des Öls

Der Ölpreis stieg bis 2008 ungebrochen und die Rohstoffkosten für die Kunststoff-Produktion folgten zwangsläufig und führten zu Konsolidierung und Verlust von Arbeitsplätzen.
Mit der Finanzkrise 2008/2009 stürzte der Ölpreis ab und die Preise von Massenkunststoffen und deren chemische Vorprodukte sanken sogar in noch stärkerem Maße. Im Zeitraum von November 2008 bis Januar 2009 war Benzol sogar billiger als das Öl (aus dem es produziert wird), was die Unwirklichkeit nur noch unterstreicht.
Bei niedrigem Ölpreis wird weniger in die Ölförderung investiert, da diese sich in zunehmendem Maße nur bei höheren Ölpreisen rechnet. Also werden geplante Projekte gestoppt, um dann wieder aufgenommen zu werden, wenn eine anziehende Wirtschaft eine bereits vorprogrammierte Angebotsknappheit erzeugt und den Ölpreis wieder steigen läßt.
Mit der Überwindung der Finanzkrise stieg also der Ölpreis wieder an bis Mitte 2011, um dann auf diesem Niveau bis Mitte 2014 zu verharren.
Dann entschieden die USA, einen Teil ihrer Öl-Reserve zu verkaufen. Der Ölpreis halbiert sich innerhalb eines Jahres und die Staatsfinanzen von Ölförderländern gerieten unter Druck. Im Gegenzug schwemmten diese weiterhin den Markt mit Öl und Saudi-Arabien hat es dabei besonders auf US-Firmen abgesehen, die mittels „Fracking“ fördern. Anfang 2016 nach dem Ende der Sanktionen des Atomstreits stieg der Iran wieder als wichtiger Öllieferant ein und der Preis befindet sich auf dem Niveau von 2000. Obwohl täglich über endliche Ressourcen und/oder einem Ausstieg aus fossilen Energien und die Reduzierung des CO2-Ausstoßes als notwendige Schritte diskutiert wird, spiegelt sich eine solche Notwendigkeit sicher nicht im Ölpreistrend wieder. Er ist vielmehr ein Instrument für politische und strategische Ziele, die wenig mit dem Wert dieser endlichen Ressource zu tun haben.

Abhängigkeit von Ressourcen

Europa ist weltgrößter Nettoimporteur von Ressourcen im Wert 704 Mrd € in 2013 (Rohstoffe inklusive Energie) und 60% der fossilen Brennstoffe und Metallressourcen wurden in 2011 in die EU importiert1). Der neue EU Aktionsplan für eine Kreislaufwirtschaft2) „Closing the Loop“ strebt wie alle Vorgängermodelle mehr Recycling und Wiederverwendung an und die Vorschläge enthalten Elemente wie:

  • EU Recycling Ziele von 65% der Siedlungs- und 75% der Verpackungs-Abfälle bis 2030
  • Deponierungsverbot für separat gesammelte Abfälle
  • Finanzielle Anreize für Wiederverwendung und Recycling (Verpackung, Batterien, Elektro(nik)-Geräte, Altfahrzeuge)

Mit solchen Zielen möchte die EU Kommission den Ressourcenverbrauch und die Abfallmengen reduzieren und das Recycling fördern, um so die Ressourcenabhängigkeit zu mindern. Man muß sich allerdings die Frage stellen, ob dieses Scenario Kunststoffe überhaupt mit einbezieht.
Die Kunststoffpreise folgen zwangsläufig dem Ölpreis und je niedriger der ist, desto kostspieliger und unattraktiver wird das Kunststoff-Recycling in der EU. REACH und RoHs Richtlinien erfordern neue Recyclingtechnologien für das Ausschleusen von Gefahrstoffen, um ein Recycling überhaupt zu ermöglichen und zu verhindern, daß der größte Teil weiterhin in der Müll-Verbrennung endet als Ersatz für Öl.
Aber da dies ja nur Vorschläge sind und die zu beschließende Richtlinie am Ende nur der kleinste gemeinsame Nenner sein wird, auf den sich die EU-27 (heute ohne UK) einigen wird, sind sicher keine zu großen Veränderungen zum Status Quo zu erwarten und bis 2030 ist es ja noch lange hin.

Basel- und Stockholm-Konvention

Die Basel-Konvention3) regelt seit 1992 die Verbringung gefährlicher Abfälle und die Stockholm-Konvention4) seit 2004 den Umgang mit langlebigen organischen Schadstoffen.

Basel Konvention

  • Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung
  • Seit 5. Mai 1992 in Kraft
  • Ratifiziert von 181 UN Mitgliedstaaten, die Cook Inseln, die EU und Palästina, aber ohne USA (exportiert  80%  seines WEEE Abfalls) - Stand Juli 2016
  • EU: Verordnung (EWG) Nr. 259/93 vom 1. Februar 1993, ersetzt durch Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 vom 14. Juni 2006

Stockholm Konvention

  • Verbots- und Beschränkungsmaßnahmen für bestimmte langlebige organische Schadstoffe (POPs)
  • Seit 17. Mai 2004 in Kraft
  • Ratifiziert von 152 Staaten ohne USA - Stand Juni 2016
  • EU: Verordnung (EG) Nr. 850/2004 vom 24. April 2004

Man könnte also annehmen, daß innerhalb der EU und im Export der Transport und die Entsorgung von gefährlichen Abfällen genau verfolgt und kontrolliert wird. Langlebige organische Schadstoffe (POPs) sind identifiziert, gelistet, und es wird dafür gesorgt, daß diese in neuen Produkten nicht mehr eingesetzt werden und belastete Abfälle nachweislich entsorgt werden.
Wenn es also trotzdem möglich ist, daß nur 1/3 des WEEE Abfalls der EU bei den Sammelstellen landet, ein weiteres 1/3 nicht ordnungsgemäß verarbeitet und der Rest exportiert wird oder einfach verschwindet (CWIT Studie 2015), dann muß man daraus schließen, daß eine Umsetzung und/oder Kontrolle von beschlossenen Richtlinien in den Mitgliedstaaten nicht möglich oder gewollt ist.

Wertvoller Abfall – aber für wen?

Abfall ist eine Ressource mit der sich sehr viel Geld verdienen läßt und der Markt ist bereits verteilt.
Alt-Metalle werden immer recycelt werden und die Schrotthändler werden diese gern, egal ob aus dem Haushaltsabfall, als Altfahrzeuge oder als WEEE-Abfall in ihren Shreddern verarbeiten. Die dort entstehen Kunststoff-Rückstände (Shredder-Leichtfraktion) werden auch in Zukunft leicht und kostengünstig in der Verbrennung entsorgt. Durch die Überkapazitäten der Müllverbrennungsanlagen in Deutschland steigen die Abfallgebühren. In Nordrhein-Westfalen z.B. stehen 4 Millionen Tonnen Abfall 6 Millionen Tonnen Verbrennungs-Kapazität gegenüber und Städte und Gemeinden müssen zirka €140 - €227/t entrichten (Stand Juli 2015)5) weil die Auslastung zu gering ist. Eine Stadt wie Mühlheim ohne eigene Müllverbrennung profitiert dagegen vom Wettbewerb und zahlt nur €54/t Tonne. Kunststoff-Sortierer (= Recycler mit Quotenanrechnung) sind ebenfalls gern gesehene Kunden zur Auslastung und zahlen nur €60/t (Stand 2013)6) für ihren Ersatzbrennstoff mit hohem Heizwert.
Laut einer NABU Studie (Naturschutzbund Deutschland e.V.) sind 28 Müllverbrennungs-Neuanlagen sowie der Ausbau 6 weiterer Anlagen bis 2020 geplant7). Bereits heute importiert Deutschland zirka 2 Millionen Tonnen Abfall und dies wird mehr werden müssen (zirka 8 Mio t), denn die EU möchte ja das Abfallaufkommen reduzieren und somit ist die Entsorgungsbranche gezwungen, genug „Brennstoff“ für ihre weiter steigende Überkapazitäten einzukaufen, und das bedeutet: Sinkendes Kunststoff-Recycling und ansteigender Mülltourismus.
Wenn also in einer solchen Situation ein Mitgliedsstaat wie Deutschland mit den höchsten Verwertungsquoten in der EU den Vorrang des Recyclings durch die „Heizwert-Klausel“ gesetzlich aufhebt und es mit dem Verbrennen gleichsetzen, wie muß man sich dann die Umsetzung von „Closing the Loop“ bis 2030 vorstellen?
In der EU gibt es Müllverbrennungs-Überkapazitäten8,9) nicht nur in Deutschland, sondern auch in UK, Niederlande, Schweden und Dänemark und zusätzlich bemüht sich die EU Kommission die Müllverbrennung (mit Energie-Rückgewinnung) im Rahmen des Aktionsplans zur „Kreislauf-Wirtschaft“10) in weiteren EU Staaten anzukurbeln, wobei natürlich nur Abfall verbrannt werden darf, der nicht mehr recycelt werden kann!
Das wird den Verbrennungs-Wettbewerb noch mehr anfachen, denn es reduziert das Volumen für den benötigten Mülltourismus  und wird sicher dazu führen, daß man es mit den Randbedingungen nicht als zu genau nimmt.

Kunststoff-Recycling 2.0

Die dokumentierten Kunststoff-Recyclingquoten werden in der EU selbstverständlich weiterhin steigen, da man nur die Mengen zählt, die in ein Sortier- oder Recyclingwerk geliefert werden und nicht festhält, wieviel wirklich recycelt wird – und das auch gerne doppelt.
Kunststoff-Recycling wird sich zukünftig auf sortenreine geschlossene Kreisläufe (z.B. PET-Flaschen, EPS-Verpackungen) beschränken, da hier ein Recycling-Privileg (unter REACH) ohne große Umstände praktiziert werden kann, ohne daß RoHS oder POPs eine Identifizierung nötig machen und erschweren.
2016 The Way of OilBei zu sauberen Kunststoff-Abfallströmen, könnten unvorhersehbare Trennprobleme und RoHS- und POP-haltigen Kunststoff-Verunreinigungen diese zu „nicht recycelbarem Abfall“ machen, was eine nachweisliche Verbrennung zwingend erfordert und die notleidende Müllverbrennungsbranche unterstützt.
Laut EU-Angaben schafft Recycling zwar zwischen 5-7 mal mehr Arbeitsplätze als die Abfallverbrennung7), aber so lange es nicht erstrebenswert ist, Kunststoffe zu recyceln, weil man sie nicht als Ressource sieht, sondern nur als Ersatz für fossile Brennstoffe, müssen wir allerdings auch damit leben, daß Kunststoff-Abfälle in immer stärkerem Maße unsere Umwelt und ganz besonders unsere Ozeane verschmutzen. An ihnen lagern sich besonders gern Schadstoffe an und am Ende werden Mensch und Tier sie über die Nahrung aufnehmen11). Das ist zwar nicht erstrebenswert, aber vielleicht ein alternativer nachhaltiger „Closing the Loop“ Ansatz, der direkt den Verursacher trifft. Man könnte es fast als natürlichen Kreislauf ansehen.     

Jeder Bürger finanziert über seine Steuern, Abgaben und Müllgebühren nicht nur unsere hochentwickelte Kreislauf-Wirtschaft, sondern er sorgt auch mit persönlichen Körpereinsatz dafür, daß Schadstoffe, die durch die „engen“ Regelmaschen schlüpfen, am Ende von der Gesellschaft verdaut werden. Zur Sicherheit gibt es natürlich EU Grenzwerte für Schadstoffe in Lebensmitteln (z.B. Flammschutzadditive)12,13).

Fazit

Normalerweise motiviert an dieser Stelle eine positive Zusammenfassung der bisher erreichten Fortschritte und ein positiver Ausblick weckt die Neugier auf weitere Verbesserungen in der Zukunft.
Leider gibt das Thema Kunststoff-Recycling und deren ökonomische und ökologische Einbindung in eine freie Marktwirtschaft wie der unseren, mit Problemen wie CO2-Bilanz und Ressourcen-Verschwendung im Gegensatz zur Müllverbrennung, wirklich nicht allzu viel her.

Ohne eine verbindliche Kunststoff-Recycling-Quote wird Kunststoff-Abfall vorzugsweise verbrannt werden und die Statistiken spiegeln nur eine Schein-Realität wieder.
Die Ressource Öl ist einfach zu billig.

Schade!
Aber so ist das halt mit der Tragik der Allmende14).

 

Literatur

  1. 2015.09.17 Julia Philipp „Chancen der Kreislaufwirtschaft“ zum Symposium 10 Jahre Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle – Link
  2. Closing the Loop – An EU action plan for the Circular Economy - Link  
  3. Basel Konvention Wiki - Link
  4. Stockholm Konvention Wiki - Link
  5. Kölnische Rundschau vom 08.07.2015 “Teure Müllverbrennung”.  – Link 
  6. Frankfurter Rundschau vom 13.03.2013 „Recycling – Verbrennen ist billiger“ – Link 
  7. NABU „Mehr Müllimporte – weniger Recycling“ Homepage – last check 11.08.2016 – Link 
  8. Marta Jofra Sora for Global Alliance for Incinerator Alternatives & GAIA: “Incinerator overcapacities and waste shipping in Europe – the end of the proximity principle?” Jan 7th, 2013:  - Link  
  9. GAIA “More incineration than trash to burn in the EU – last check of Homepage on 11.08.2016 – Link
  10. 2016/1 Communication from the EU Commission: Exploiting the potential of waste to energy under the energy union framework strategy and the circular energy – Link   
  11. NTV “Giftcocktail in Flüssen und Meeren – Mikroplastik starker belastet als erwartet” vom 03.08.2016 – Homepage last check 11.08.2016 – Link  
  12. Bundesinstitut für Risikobewertung BFR: Gesundheitliche Bewertung Nr. 041/2006 vom 1. Juni 2006: EU-Höchstgehalte für Dioxine und dioxinähnliche PCB in Fisch schützen …. nicht immer ausreichend“ – Link 
  13. Umweltbundesamt „Dioxine und dioxinähnliche PCB in Umwelt und Nahrungsketten“ von 1.12.2013 – Link 
  14. Tragik der Allmende - Wiki - Link

 

 

nach oben